Von Wilderswil zum Grindelwald Terminal
Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben, aber dieses Erlebnis möchte ich unbedingt mit euch teilen. Zum Geburtstag hat mir Daniel einen ganz besonderen Ausflug geschenkt. Top of Europe: Eiger, Mönch & Jungfrau, das berühmte Dreigestirn. Genau das Richtige für eine kleine Explorerin wie mich.
Schon beim Aufwachen wusste ich, dass dieser Tag unvergesslich werden würde … und so war es dann auch.
Übernachtet haben wir in Wilderswil, einem kleinen, gemütlichen Ort nahe Interlaken im Berner Oberland. Von dort fuhren wir mit der Bahn zum Grindelwald Terminal, eine moderne Talstation mit ziemlich schnellen Gondeln.



Gondel Eiger Express
Am Terminal steigen wir in die Gondel Eiger Express, diese Fahrt ist übrigens im Tagesticket enthalten. Die Weiterfahrt zum Jungfraujoch, dem berühmten Top of Europe, hatten wir aufgrund der unsicheren Wetterlage noch nicht gebucht.
Die hochmoderne Seilbahn bringt uns in nur etwa 15 Minuten zur Eigergletscher-Bergstation (2.320 m). Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von rund 1.377 m und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 7 m/s. Das ist wirklich schnell. Die Sicht auf die berühmte Eiger-Nordwand bleibt uns jedoch verwehrt, und wir hoffen, dass sich das Wetter im Laufe des Tages noch bessern wird.





Bergstation Eigergletscher: Die Sonne kommt raus
Die Bergstation Eigergletscher liegt direkt am Fuss der beeindruckenden Eiger-Nordwand. Viele Skifahrer steigen hier aus, um das Skigebiet Kleine Scheidegg–Männlichen zu erkunden. Für Wanderer gibt es zudem gut präparierte Winterwege, die spektakuläre Panoramablicke auf Eiger, Mönch und Jungfrau versprechen. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Und tatsächlich haben wir Glück. Während wir auf meinen besonderen Tag mit einem Getränk anstoßen, passiert genau das, worauf wir gehofft haben. Die Sonne kommt raus. Die Wolken öffnen sich, und plötzlich liegt die beeindruckende Bergwelt vor uns. In diesem Moment ist für uns klar: Wir wollen weiter hinauf zum Top of Europe.







Jungfraujoch: Die höchstgelegene Bahnstation Europas
Wir kaufen die Tickets und warten auf die Jungfraubahn, die nur zu festen Zeiten fährt. Eine halbe Stunde später ist es endlich so weit und wir steigen voller Vorfreude in die berühmte, elektrische Zahnradbahn, die 1912 eröffnet wurde.
Ein großer Teil der Strecke verläuft durch Tunnel. Wir fahren direkt durch Eiger und Mönch. Die Fahrt zum Jungfraujoch dauert ca. 25 Minuten. Die Bahn hält unerwartet. Wir steigen aus und laufen den anderen hinterher und bekommen die Möglichkeit aus einen Fenster (Eigerwand und Eismeer) zu sehen. Doch im Moment ist alles weiß. Von den Schweizer Alpen und dem Gletscher ist nichts zu sehen. Hat sich der Himmel inzwischen wieder zugezogen?
Die Endstation liegt komplett im Inneren des Berges, und wir steigen auf einer der höchstgelegenen Bahnstation Europas (3.454 m) aus. Insgesamt haben wir weitere 1.134 Höhenmeter zurückgelegt.








Sphinx Observatory: Europas höchste Forschungsstation
Wir folgen den Schildern Richtung Sphinx Observatory. In dem markanten Gebäude befindet sich auch eine Forschungsstation, in der Wissenschaftler seit Jahrzehnten Klima- und Atmosphärenforschung betreiben. Ein Lift bringt uns hinauf zur Aussichtsplattform (3.571 m). Als sich die Türen öffnen, treten wir hinaus in die klare Bergluft. Der Blick reicht weit über die hochalpine Schneelandschaft. Top of Europe, besser kann man diesen Ort kaum beschreiben.
Übrigens: Was die Möwen an der See sind, sind die Alpendohlen in den Bergen. Ob Meeresrauschen oder Gipfelwind, sie sind die Snack-Manager ihrer Region. Gleicher Blick. Gleiche Mission. Essen.











Aletschgletscher: UNESCO Weltnaturerbe
Direkt unter uns beginnt der gewaltige Aletschgletscher. Von der Plattform der Sphinx Observatory sieht man, wie sich der Eisstrom kilometerweit durch die Berge schlängelt. Diesen Anblick werde ich nie vergessen und kann kaum glauben, dass ich dieses gewaltige Naturwunder gerade mit eigenen Augen sehe. Was für ein Geschenk. Top of Europe, der Name passt.
Doch auch dieser Gletscher leidet unter der Erderwärmung und verliert jedes Jahr viele Meter. Trotzdem ist er mit rund 20 Kilometern noch immer der längste Eisstrom der Alpen. Die Pasterze am Großglockner (über die wir bereits berichtet haben) ist zwar der größte Gletscher Österreichs, aber mit rund 8 Kilometern Länge nicht einmal halb so lang. Unglaublich, wie viel Eis hier vor uns liegt.













Eispalast Jungfraujoch
Bereits in den 30er-Jahren, also vor fast hundert Jahren, wurde der Eispalast in den Gletscher geschlagen. Auf dem Weg ins ewige Eis begleiten uns Bilder an den Wänden, die die Geschichte dieses besonderen Ortes erzählen. Schließlich führen uns schimmernde Gänge direkt durch das uralte Gletschereis.
Die Luft ist kalt und klar. Das Licht spiegelt sich im Eis und verleiht dem Ganzen eine geheimnisvolle Atmosphäre.








Mittendrin statt nur dabei
Jeder Schritt erinnert uns daran, dass wir uns im Inneren eines Gletschers befinden. Ein merkwürdiges Gefühl. Vorsichtig gehen wir über den spiegelglatten Boden und entdecken in kleinen Nischen immer wieder neue Figuren aus Eis. Adler, Pinguine und Bären. Sogar eine Flasche Whisky hat hier ihren Platz gefunden.
Der Rundgang durch den Eispalast dauert etwa 20 Minuten, vorausgesetzt, man ist warm genug angezogen.












Top of Europe Gletscherplateau
Neben der Sphinx-Aussichtsplattform gibt es das Top of Europe Gletscherplateau. Hier kann man direkt hinaus in die hochalpine Landschaft treten. Der Wind ist kalt, aber die Sonne scheint immer noch. Rundherum ragen die gewaltigen Gipfel der Schweizer Alpen in den Himmel. Mönch und Jungfrau sind plötzlich so nah. Viele Besucher nutzen diese Fläche, um über den Schnee zu laufen, Fotos zu machen oder über die Gipfel zu staunen. Wir schließen uns selbstverständlich an, schließlich steht man nicht jeden Tag auf über 3.400 Metern im Schnee und genießt so eine Aussicht.















Zeit, Abschied zu nehmen
Die Zeit rinnt dahin und wir müssen Abschied nehmen. Noch einmal werfen wir einen letzten Blick auf die verschneiten Gipfel und den Aletschgletscher.
Es ist inzwischen ruhig geworden und nur noch wenige Menschen steigen mit uns in die Bahn. Die Fahrt durch die Tunnel im Eiger und Mönch fühlt sich diesmal irgendwie kürzer an. Vielleicht liegt das an der Schokolade, die eine Bahnmitarbeiterin verteilt und die sofort unsere volle Aufmerksamkeit genießt.
An der Bergstation steigen wir wieder um. Während der Fahrt zurück ins Tal haben wir jetzt eine klare Sicht auf die Eiger-Nordwand.












Grindelwald: Restaurant Barrys
Im Restaurant Barrys lassen wir diesen besonderen Tag bei einem guten Essen noch einmal Revue passieren. Der Service ist hervorragend und auch das Essen schmeckt ausgezeichnet. Wenn ihr einmal in der Gegend seid, schaut unbedingt vorbei, ihr werdet es nicht bereuen. Vielen Dank, Barbara und Micha, für das leckere Essen und den perfekten Abschluss des Tages.
Übrigens: Der Name Barrys stammt von Barry, dem berühmtesten Rettungshund vom Grossen St. Bernard. Barry soll über 40 Menschen aus Schnee und Lawinen gerettet haben. Deshalb gilt er als legendärer Alpen-Rettungshund. Das Restaurant wurde nach ihm benannt. Es unterstützt die Fondation Barry, eine Stiftung, die sich für den Erhalt der Bernardiner-Rasse einsetzt.






Mein Geburtstag hätte wirklich kaum schöner sein können. Der Ausflug auf das Top of Europe wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Danke, mein Schatz, für diesen wunderbaren Tag. 💍🍾 Chatam.
Schon gewusst?
Der berühmte Jungfrau Marathon gilt als einer der spektakulärsten Bergmarathons der Welt. Die Läufer starten in Interlaken und kämpfen sich über mehr als 42 Kilometer und rund 1.800 Höhenmeter bis hinauf zur Kleine Scheidegg. Verrückt.
Der gewaltige Aletschgletscher wirkt wie eine riesige gefrorene Landschaft. Tatsächlich bewegt er sich aber abwärts, teilweise bis zu 200 Meter pro Jahr. Er soll so groß, dass sein Eis ausreichen würde, um jeden Menschen auf der Erde etwa 3,5 Jahre lang täglich mit einem Liter Wasser zu versorgen.
Die berühmte Eiger Nordwand galt lange als eine der gefährlichsten Felswände der Alpen. Viele Bergsteiger versuchten sie zu bezwingen. Der dramatische Versuch von 1936 wurde 2008 (North Face) verfilmt. 1938 gelang die erste erfolgreiche Besteigung.
Die weltweit erfolgreiche Serie Crash Landing on You zeigt mehrere Szenen in der Schweiz. Besonders bekannt ist eine romantische Szene am Jungfraujoch, aber auch in Grindelwald und Interlaken. Seitdem ist die Region vor allem bei Fans aus Südkorea ein beliebtes Reiseziel.
Der Name der Berge hat eine alte Geschichte. Der Mönch soll der Legende nach die Jungfrau vor dem wilden Eiger beschützen. Deshalb steht der Mönch genau zwischen den beiden Gipfeln.
Einheimische Weisheiten
Wenn plötzlich ein warmer Wind durch die Täler zieht und die Wolken schnell über die Berge wandern, kündigt sich häufig der Föhn an. Dann kann sich das Wetter innerhalb weniger Minuten komplett ändern.
Wenn die Jungfrau ihren Schleier anlegt, also Wolken den Gipfel umhüllen, kündigt sich ein Sturm an.
Bildet sich am Eiger früh am Morgen eine Wolkenkappe, wird das Wetter im Laufe des Tages meist schlechter.
Bleiben die Gipfel dagegen frei, kann es ein stabiler Bergtag werden.
